Wirkungsweise der biodynamischen Craniosacral Therapie
Das Craniosacrale System
Das craniosacrale System besteht aus Schädel (Cranium), Kreuzbein (Sacrum), der Wirbelsäule, den Hirn- und Rückenmarkshäuten, die das ganze Nervensystem umgeben, und dem Liquor (Hirn- und Rückenmarkflüssigkeit).
Das innewohnende Gesunde und die Biodynamische Craniosacral Therapie
Der Liquor spielt eine zentrale Rolle in der Craniosacral Therapie. Er gilt als der Ort, an dem universelle Lebenskräfte, er nennt sie Potency, dem Körper begegnen. Er sprach auch von flüssigem Licht («fluid light»).
Diese Lebenskräfte durchfluten den ganzen Körper (und jedes andere Leben). Ihr Fluss ist im ganzen Körper wahrnehmbar. Die Potency belebt und durchdringt dabei jede Zelle unseres Körpers, formt unseren Körper immer wieder neu, hält Gesundheit aufrecht und kreiert sie neu.
Wie nimmt die Craniosacraltherapeutin (gesundheitliche) Herausforderungen wahr? Und was passiert während der biodynamischen Craniosacral- Behandlung damit?
Alles, was wir erleben oder wir bereits auf die Erde mitbringen beeinflusst unsere Selbstwahrnehmung und unsere Selbstregulation in Körper, Geist und Seele. In der biodynamischen Craniosacral Therapie geht man in Kontakt mit darunter liegenden Kräften, die durch Biografie nicht beeinflusst sind, die unser Wesen ausmachen. Wenn wir diese Lebenskräfte wirken lassen, kommt Gesundheit von innen her wieder zum Ausdruck. Es geschieht eine Art tiefes Erinnern an unser wahres Wesen.
Es ist also nicht die Therapeutin, die Spannungen löst. Sie schafft vielmehr einen Raum und eine Präsenz, die das Lösen von innen her geschehen lässt. Dadurch regulieren sich Prozesse im Körper, wie z.B. das Autonome Nervensystem, Regeneration wird möglich, Gewebe können Spannungen loslassen, der Geist beruhigt sich und bekommt eine neue Perspektive auf Themen, die Psyche findet Genesung, die (Selbst-) Wahrnehmung wird positiver und ganzheitlicher, Ressourcen im Inneren und damit oft auch im Aussen werden wieder zugänglicher.
Geschichte der Craniosacral Therapie
Craniale Osteopathie-Craniosacral Therapie – biodynamische Craniosacral Therapie
Biodynamische Craniosacral Therapie befasst sich mit dem innewohnenden Gesunden und einer daraus entstehenden rhythmischen Bewegung, die für geübte Hände im ganzen Körper wahrnehmbar ist. Ich beschreibe hier, wie es dazu kam.
Die Osteopathie – Dr. Andrew Taylor Still (1827–1917)
Dr. Still war Sohn eines Methodistenpredigers und kannte sich dadurch aus in Seelsorge und Volksmedizin. Mehrmals in seinem Leben erwies sich diese allerdings als wirkungslos. Er verlor drei seiner Kinder an Meningitis, das vierte kurz darauf an Lungenentzündung. Diese Schicksalsschläge bewegten ihn zu lebenslanger Forschung nach einer wirkungsvolleren Medizin.
Er studierte die Anatomie. Er entdeckte, wie er Muster im Körper lösen konnte, so dass «Gottes Apotheke» (Selbstheilungskräfte) im Körper wieder wirken konnten. Er sah den Menschen als Einheit aus Körper, Geist und Seele.
Aus seinen Forschungen heraus entstand die «Osteopathie». Über die Behandlung der Knochen (gr. Osteon) können die Selbstheilungskräfte wirken und Leiden (gr. Pathos) gelindert werden.
Craniale Osteopathie – Dr. W.G. Sutherland (1873–1954)
Dr. Sutherland war Schüler von Dr. Still an der Schule für Osteopathie. Als er dort einen Schädel, und besonders den Flügel des Keilbeins, anschaute, hatte er einen Gedanken, der sein ganzes weiteres Leben prägte: «abgeschrägt wie die Kiemen eines Fisches, das ist ein Hinweis auf gelenkige Bewegung.» Die Schädelknochen gelten bis zum heutigen Tag im wissenschaftlichen Umfeld als fest verwachsen. Dr. Sutherland liess der Gedanke nicht mehr los, und er forschte jahrzehntelang, um seinen Gedanken über Bewegung im Schädel zu widerlegen. Er untersuchte Schädel von Fremden auf der Strasse, in seiner Wohnung lagen überall Knochen. Er baute sich selbst Helme und drückte damit auf seinen eigenen Schädel. Er beobachtete den Einfluss auf sein Befinden und seine Wahrnehmung und dokumentierte diese sehr genau.
Er beschrieb rhythmische Bewegungen der Schädelknochen und deren Behandlung mit sanften manuellen Techniken. Er erkannte einen «primären respiratorischen Mechanismus», eine primäre, innere Atmung, wahrnehmbar im Körper als langsames sich Ausdehnen und sich wieder zur Mitte zurück bewegen. Dr. Sutherland nannte diese innere Atmung Lebensatem oder Breath of Life. Er forschte weiter nach der Ursache dieser Bewegung und fand «fluid light», flüssiges Licht, das er in der Gehirn- Rückenmarksflüssigkeit wahrnahm. Diese Kräfte formen den Körper und erhalten ihn gesund.
Craniosacral Therapie – Dr. John Upldedger (1932–2012)
In den 1970er Jahren entstand aus der cranialen Osteopathie heraus die Craniosacraltherapie als eigenständige Therapieform. John Upledger erforschte die rhythmischen Bewegungen Schädel wissenschaftlich.
Er behandelte erfolgreich Kinder mit Lernschwierigkeiten und ADHS und unterrichtete zuerst Eltern und Lehrer. Er hatte gute Erfolge und gab sein Wissen auch an Therapeuten weiter.
Bei Ausrichtung der Craniosacral Therapie, auch «biomechanisch» genannt, spürt die Therapeutin Einschränkungen im Craniosacralen System auf und korrigiert mit sanften Impulsen.
Biodynamische Craniosacral Therapie = Craniosacrale Biodynamik
Die biodynamische Form der Craniosacral Therapie, auch Craniosacrale Biodynamik genannt, orientiert sich an den von Dr. Sutherland beschriebenen Kräften, dem Breath of Life, dem Ausdruck des innewohnenden Gesunden.
Ich persönlich praktiziere Biodynamische Craniosacraltherapie, wie Bhadrena Tschumi Gemin und Kavi Gemin sie unterrichten. www.icsb.ch.
